Viveca Sten – Tod in stiller Nacht

Mit diesem Buch betreten wir nun das Genre  – der Titel lässt es bereits vermuten – der Krimis, genauer gesagt der sogenannten Schwedenkrimis. Vivica Stens Tod in stiller Nacht ist der  nunmehr sechste Teil ihrer Sandhamn-Krimireihe um Kommissar Thomas Andreasson, die sich in Deutschland großer Beliebtheit erfreut und bereits für das ZDF verfilmt wurde. Grund genug, sich diese mal genauer anzuschauen.

Handlung 

Weihnachten auf Sandhamn. Jeanette Thiels, eine erfolgreiche schwedische Journalistin, wird in unmittelbarer Nähe eines Seglerhotels tot aufgefunden. Was anfangs nach Tod durch Erfrieren aussieht, stellt sich schon bald als hinterhältiger Giftmord heraus. Höchste Zeit für Thomas Andreasson und sein Ermittlerteam tätig zu werden. Doch wo sollen sie anfangen? Die berühmte Kriegsberichterstatterin hatte viele Feinde, zudem ist ihr Laptop spurlos verschwunden. Woran arbeitete sie zuletzt? Was hat es mit dem Sorgerechtsstreit um Tochter Alice auf sich? In Jeanettes Notizen finden die Ermittler zahlreiche Aufzeichnungen zu Nya Sverige, einer rechtspopulistischen Organisation. Offenbar arbeitete die Journalistin an einer Story über diese. Wollte die Vereinigung mögliche Kritik an ihrer Organisation im Keim ersticken?

Auch Nora Linde, Thomas Andreassons langjährige Freundin, steht beruflich vor großen Problemen, die einer raschen Lösung bedürfen. Ihre Beförderung erweist sich als nicht so großer Glücksgriff wie erhofft und schließlich steht ihre gesamte berufliche Zukunft auf dem Spiel.

Rezension

Stens Tod in stiller Nacht hat alles, was ein Schwedenkrimi braucht, aber leider auch nicht mehr: Es wird ein Verbrechen verübt, um deren Aufklärung sich ein Kommissar bemüht, dessen private Probleme ebenso im Mittelpunkt stehen wie sein neuer Fall. Dieser wird schlussendlich vor dem Hintergrund eines Konflikts der schwedischen Gesellschaft gelöst. Doch wer nach ein wenig mehr sucht, wird bitterlich enttäuscht. Nachdem die Spannungskurve mit dem Mord an Jeanette Thiels steil ansteigt, fällt sie bald darauf wieder ab und bleibt bis fast zum Ende auf diesem niedrigen Level. Das mag zum einen daran liegen, dass sich die Ermittlungen nach dem Fund der Leiche lange im Kreis drehen. Die Ermittler pendeln stetig zwischen Jeanettes Exmann und der Organiation Nya Sverige als Hauptverdächtige hin und her, ohne tatsächlich neue Erkenntnisse zu erzielen. Der aufmerksame Leser ahnt es jedoch längst: Wenn eine rechtspopulistische Organisation ins Fadenkreuz der Ermittlungen gerät, bietet der Exmann als Mörder keine Option mehr. Somit vermag die Handlung auch gegen Ende nicht wirklich, den Leser zu fesseln oder zu überraschen.

Zum anderen drängt sich der Eindruck auf, dass sich die Figuren mit ihrer Entwicklung am Ende befinden. Zwar wird das Privatleben des Kommissars ausreichend beleuchtet, jedoch ist dieses so herrlich perfekt, dass ich mich wundere, warum es überhaupt Erwähnung findet. Auch der Autorin scheint dies nicht entgangen zu sein und so muss die Jugendfreundin des Kommissars herhalten und einige Probleme über sich ergehen lassen. Da wäre Henrik, der Vater ihrer Kinder, der sich einst von ihr trennte und nun geläutert erneute Annäherungsversuche startet. Aber auch auf der Arbeit gerät Nora schwer in die Bredrouille, verlangt ihr Chef doch von ihr einer rechtswidrigen Firmenübernahme zuzustimmen. Und während Nora sich noch selbstmitleidig in Unsicherheiten und Selbstzweifeln ergeht, komme ich nicht umhin mich zu fragen: Welche Relevanz hat diese Figur für den Fall, für die Handlung, für den Leser? Eine Frage, deren Antwort mir das Buch schuldig bleibt. Auch sprachlich ist die Handlung in ein schlichtes Gewand gehüllt. Kurze Kapitel mit Dialogen einfachster Natur halten die Handlungstränge stets überschaubar.

Fazit

Ein Krimi, der sich ideal am Strand lesen lässt, während man die Kinder hütet. Er lässt sich zu jeder Zeit unterbrechen, der Einstieg ist zu jeder Zeit garantiert.

 

Erschienen bei: Kiepenheuer & Witsch

zu kaufen: hier

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