#lbm16 – Mein Tag auf der Leipziger Buchmesse

Ticket(,) zum Glück

Ticket(,) zum Glück

Donnerstag, 17. März 09:30: Anstelle herzhaft vergnüglich in ein Knoppers zu beißen, wie es einem die Werbung jahrzehntelang an’s Herz gelegt hat, stehe ich am Leipziger Hauptbahnhof. Genauer gesagt gegenüber davon, an der Tramstation und warte auf meinen Zubringer zur Buchmesse. Um mich herum ein Heer von Menschen aller Art. Vom bunt verkleideten Comic-Con-Besucher im verrückten Kostüm bis hin zum  verstaubten Spießer, ausgestattet mit Karosakko und kleiner Lesebrille auf der Nasenspitze. Alle stehen wir am gleichen Gleis, alle haben wir das gleiche Ziel: das Messegelände.

10 Uhr 01: Nach wie vor stehe ich an der Tramstation. Mittlerweile aber viel weiter vorne, es soll ja keiner sagen, es hätte sich nichts getan. Obwohl der LVB die Situation sehr gut im Griff hat und in Abständen von wenigen Minuten Trams und Shuttles zur Verfügung gestellt werden, ist der Andrang so groß, dass ich es noch nicht in einen Zubringer geschafft habe. Vielleicht liegt es auch daran, dass  ich mich nicht auf den Gebrauch meiner beiden Ellebogen verstehe, sondern denen der anderen lieber ausweiche. Übrigens eine Lebenseinstellung meinerseits.

10 Uhr12: Um es mit den Worten von Boris Becker zu sagen: Ich bin drin! Sogar einen Sitzplatz habe ich in der Tram ergattert, die so voll ist, dass ich während der Fahrt zum Gelände leider gar nichts von Leipzig sehen kann. Trotz der Enge macht sich eine gewisse Aufregung breit, schließlich ist das mein erstes Mal auf einer Buchmesse. 

Stand des Boersenvereins

Stand des Boersenvereins

10:42 Uhr: Puh! Ich habe die Jacke abgegeben, mich durch die Fressmeile gekämpft und vor mir liegen die heiligen Hallen. Während um mich herum alle einen festen Plan zu haben scheinen und geschäftig umherwuseln, lasse ich mich durch die Ausstellungsräume treiben. Einfach mal gucken, was so geboten ist … Und das ist eine ganze Menge! Halle 1: Comic-Con. Nicht meine Welt und ziemlich überfüllt, also gehe ich gleich weiter in Halle 2. Hier dreht sich alles um Kinder- und Schulbücher. Auch nicht meine Welt, dafür aber nicht so voll, also schlendere ich mal rum, um mir einen groben Überblick zu verschaffen. Die Halle erscheint mir riesig, es gibt eine Vielzahl von Verlagsständen und nicht minder viele Kinder und Jugendliche, die sich zusammen mit ihren Eltern über das Neueste auf diesem Sektor informieren oder einfach nur wild über die Gänge rennen. 

11 Uhr: Halle 2 liegt hinter mir, die Kinderscharen haben mich dann doch schnell vertrieben, ich bahne mir den Weg zu Halle 3. Hier will der Leser von heute hin, hier stellen die großen Verlage aus, hier pulsiert das Herz der Literatur. Ein Traum! Es ist Karrieretag auf der Messe, wer weiß, vielleicht kommt man ja mit dem ein oder anderen Verlagsmitarbeiter in’s Gespräch, ein bisschen netzwerken und schon ergibt sich eine tolle Jobgelegenheit …

12 Uhr 22: Total k.o. sitze ich im Messerestaurant und vertilge den teuersten Leberkäse mit Kartoffelsalat meines bisherigen Lebens. Halle 3 hat mich eingesogen und am anderen Ende total fertig wieder ausgespuckt. Nach so kurzer Zeit auf der Messe bin ich total überfahren von den ganzen Eindrücken und den vielen Menschen. Überall stehen riesige Stände großer Verlage, vollgepackt mit den neuesten, den interessantesten, den erfolgreichsten Büchern.

Bücherturm

Bücherturm Droemer Knaur

Ich habe mich durch dutzende Buchtitel und Klappentexte gelesen, bis die Buchstaben vor meinen Augen tanzen und die einzelnen Geschichten in meinem Kopf durcheinanderwirbeln. Mit jemanden gesprochen habe ich nicht. Die Mitarbeiter der Branche bleiben gern unter sich. Vorher vereinbarte Termine und Treffen anderer Kollegen lassen keinen Platz, um mit Besuchern in’s Gespräch zu kommen. Karrieretag hin oder her. Aber der findet ja auch hauptsächlich in Halle 5 statt, und dahin mache ich mich jetzt auf.

Vortragsreihe: Was will ich werden

Vortragsreihe: Was will ich werden

13 Uhr 15: Ich lausche der Vortragsreihe Was will ich werden? Berufsbilder der Branche. Fünf Referenten und Referentinnen berichten hier mit Hilfe der Pecha Kucha Technik über ihren bisherigen Werdegang, der sie in die Verlagswelt geführt hat.  Der Vortrag ist sehr gut besucht, und das zu Recht. Endlich mittendrin im Karrieretag! Die zahlreichen Folien zeigen lustige, manchmal mehr oder weniger sinnstiftende, jedoch immer interessante Bilder aus dem (Berufs)Leben der einzelnen Referenten. Vom freiberuflichen Lektor bis hin zur Volontärin, jeder plaudert frei von der Leber weg, wie er in die Branche gerutscht ist, in der so viele gerne arbeiten würden. Anschließend stehen die Referenten für eine Fragerunde zur Verfügung. 

14 Uhr: Und dann ist es endlich so weit: Ich selbst werde Teil des Ganzen und übernehme am Stand der jungen Verlagsmenschen e.V. meinen Dienst. Für eine Stunde kläre ich alle, die es wissen und nicht nur Give-aways abgreifen wollen über die Arbeit des Vereins auf. Und siehe da: Der Andrang ist groß! »Verschenken Sie diese Stoffbeutel?«, ist die Frage, die ich am meisten beantworten muss, aber so bleibt wenigstens genug Zeit zwischendurch mit den anderen Jvmlern zu quatschen.

15 Uhr 30: Mein Dienst ist getan und am Ende habe ich dann tatsächlich noch ernsthafte Fragen zum Verein und dem Verlagswesen beantworten dürfen. Der Andrang in die Verlagsbranche ist echt groß. Nicht nur junge Menschen interessieren sich für diese Branche, auch ältere Semester würden gerne dorthin wechseln. Dranbleiben Leute!

18 Uhr 03: Auch der interessanteste Tag geht einmal zu Ende, die Messepforten schließen sich hinter mir. Obwohl ich mir zwischenzeitlich winzig klein und verloren vorkam zwischen all den Autoren, Ausstellern, Besuchern und Reportern und mich die zahlreichen Eindrücke regelrecht erschlagen haben, hat es mir doch großen Spaß gemacht. Vor allem aber, weil ich dort vor Ort mitwirken und viele Bekannte und Freunde treffen konnte. Bepackt mit Infomaterial und meiner Liste von Büchern, die ich dieses Jahr unbedingt lesen muss, stehe ich vor dem Messegelände und hoffe, schnell eine Tram oder einen Shuttle zurück zu ergattern.

18 Uhr 23: Nach wie vor stehe ich an der Tramstation. Mittlerweile aber viel weiter vorne …

 

 

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